Lektor und Ikonenmaler Christophor Reinhold Pelzer

Der dritte Gründer der Gemeinde, Reinhold Wolfgang Pelzer, ist am 9. Juli 1936 in Sensburg/Ostpreußen als sechster von sieben Söhnen in einer baptistischen Familie geboren worden. Sein Vater Reinhold Wilhelm Pelzer (1884-1964) war baptistischer Prediger und Gemeindeleiter aus Wolynien (Ukraine), seine Mutter Anna Nielaimischkies (1894-1942) stammte aus Litauen und starb, als Reinhold 6 Jahre alt war.

Er wuchs seit dem 15. Lebensjahr in einem Internat auf und machte dort das Abitur. Danach studierte er an der staatlichen Kunst-Akademie Düsseldorf Malerei und Grafik. Zeitgleich studierte er Geographie, um an einem Gymnasium unterrichten zu können. In dieser Zeit bekam er erste Kontakte zur Orthodoxie und der Theologie der Ikone.

Reinhold wurde am 18.2.1968 durch Vater Maximilian Keemss in der russ.-orthodoxen Kirche Maria Verkündigung in Oberhausen durch das Sakrament der hl. Myronsalbung aufgenommen. Er wünschte den Namen des Hl. Märtyrers Christopherus (Gedächtnis am 9./22.Mai).

Er nahm an mehreren Kunst-Ausstellungen teil. Ab 1968 unterrichtete er Kunsterziehung an verschiedenen Gymnasien in Nordrhein-Westfalen. Ab Sommer 1978 bis Frühjahr 1981 war er zu einem Studienaufenthalt an der Schule für Initiatische Therapie in Todtmoos-Rütte/Südschwarzwald (Der Philosoph Karlfried Graf Dürckheim begründete diese Schule).

Nach seinem Umzug nach Wernau im Frühjahr 1981 unterrichtete er Kunsttherapie an der Freien Kunstschule Nürtingen. Im Laufe der nächsten Jahre gründete er eine private Kunstschule (Wochenendwerkstatt) mit der Bezeichnung „Kreativ-Werkstatt Wernau“ im Laichle-Kindergartengebäude, Laichleweg 26, deren Träger die Katholische Kirchengemeinde St. Erasmus war. Im Jahr 1985 ließ Christophor das Foyer des Kindergartens in einen orthodoxen Kirchenraum verwandeln. Ein örtlicher Schreiner fertigte eine hölzerne Ikonostase. So konnten regelmäßig die Gottesdienste der neu gegründeten Gemeinde des Hl. Prophet Elias unter Leitung von Vater Johannes Bücheler mit dem Segen von Erzbischof Irinej (Zuzemil) stattfinden. Die Ehefrau von Christophor, eine gläubige Katholikin, übernahm, soweit nötig, die Näharbeiten für kirchliche Textilien, buk Prosphoren und besorgte Essen für die Agapen.

In dieser Zeit vertiefte er sich in die Ikonenmalerei und ihre geistigen Grundlagen. Durch Kontakte mit dem Mönchsdiakon Prokopij aus dem orthodoxen Kloster des Hl. Johannes des Täufers in Essex/England vertiefte er den orthodoxen Glauben. Ein umfangreicher Briefwechsel seit den 90er Jahren folgte, dazu kamen auch einige Besuche.

Ende des Jahres 1987 zog Familie Pelzer nach Ohmden. Dennoch wurden die Gottesdienste in Wernau weitergeführt. Im Laufe der nächsten Jahre wurde die Kreativ-Werkstatt auch nach Ohmden verlegt. In Ohmden widmete sich Christophor intensiv der Ikonenmalerei. Einige Ikonenausstellungen gaben davon Zeugnis, ebenso die Ausmalung eines Stein-Gartenhauses auf den Bergen der Schwäbischen Alb Bergen in Limburg/Weilheim mit der Gottesmutter des Zeichens. Hier wurden auch von der Familie Andachten gehalten.

Am 3.7.1988 wurde ihm das Recht zum Tragen der Orarions über dem Sticharion vom Bischöflichen Ordinariat verliehen, mit dem Segen von Bischof Irinej.

Nach Auflösung der Werkstatt in Wernau durch die Kündigung der Kindergartenräume kamen die Ikonostase und das gesamte heilige Inventar nach Stuttgart zuerst in das Haus der Nonne Serafima Lehmacher, wo jetzt die Kapelle des Hl. Prophet Elias eingerichtet war, und später in die Seitenkapelle der Lukaskirche. 1994 wurde Christophor in der russisch-orthodoxen Kirchengemeinde der Hl. Maria von Ägypten in Tübingen von Bischof Feofan (Galinskii) zum Lektor geweiht. Er diente in den orthodoxen Gemeinden in Tübingen, Stuttgart und Ulm.

Seit 1978 war er wegen eines nicht einstellbaren Bluthochdruckes frühpensioniert. Am Ostermontag 1995 besuchte er mit dem älteren Sohn den Gottesdienst der orthodoxen Gemeinde der hll. Märtyrer Valentin und Pasikratus in Ulm. Während der Heiligen Liturgie kollabierte er wegen einer Ruptur der Aorta. Sein 14-jähriger Sohn hat rechtzeitig den Krankenwagen gerufen. Er konnte mit dem Notarzt sofort in die nahe gelegene Klinik gebracht werden, wo er operiert wurde und wider Erwarten überlebte. Er konnte sein Leben nach der erfolgreichen OP weiterführen. Innerlich war er jedoch verändert und trat in der Folge aus der orthodoxen Kirche aus, um sich einer baptistischen Gemeinde anzuschließen. Dort trat er nach einiger Zeit wieder aus, da er nicht den erhofften Baptismus seiner Kindheit gefunden hatte.

   

Vater Mitrofan in der Kapelle der Gottesmutter des Zeichens, von Christopher Pelzer bemalt

Im Januar 2000 erlitt er eine Gehirnblutung mit Lähmung und Sprachverlust. Auf der Notaufnahme erhielt er von Vater Maximilian aus München auf Veranlassung seiner Ehefrau im Beisein von Sigrun Püschel die hl. Salbung und die hl. Kommunion. (Die Ärzte hatten ihm keine Überlebenschance gegeben, daher rief die Ehefrau einen Priester.) Vater Maximilian kam während seines Krankenhausaufenthaltes im Ulm nochmals, um ihm die hl. Kommunion zu spenden. Bei ihren täglichen Besuchen betete seine Ehefrau mit ihm das Jesusgebet. Christophor konnte nicht sprechen, aber er hielt die Gebetsschnur in den Händen. Ein gläubiger katholischer Mitpatient betete ihm täglich das Vaterunser laut vor, und Christophor versuchte nachzubeten. Möglicherweise half dies, die Sprache in einem anschließenden Reha-Krankenhaus zu reaktivieren. Er konnte wieder sprechen, und die vorübergehende Lähmung des rechten Armes ging zurück. In der Genesungszeit fiel ihm ein Buch in die Hände über die Entstehung des russischen Freikirchentums und die Verfolgung Andersgläubiger durch die Russisch-Orthodoxe Kirche in der Heimat seines Vaters. Infolge dieser Informationen trat er zum zweiten Mal aus der orthodoxen Kirche aus. Die Gedanken, dass sein eigener Vater unter dieser Verfolgung litt, hat ihn im tiefsten betroffen.

„Mir war klar, eine Kirche, die sich in solcher Weise mit der Staatsgewalt verbindet, kann nicht die Gemeinde Christi sein“ –

hat er in seinem Zeugnis-Brief geschrieben.

Im September 2001 erlitt er eine Ruptur der Bauchaorta und während des Klinikaufenthaltes eine Ruptur der Brustaorta, an deren Folgen er am 31.10.2001 im Alter von 65 Jahren verstarb. Er wurde nach baptistischem Brauch in Ohmden beerdigt. Das orthodoxe Totengedenken fand erst im Jahr 2023 statt, als der Kontakt der Tübinger Gemeinde zu seiner Witwe erfolgte und die Ereignisse seiner letzten Lebensjahre bekannt wurden.

Die Witwe von Christophor Pelzer, Katharina, an seinem Grab am 1.10.2023

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