Am 3. Oktober 1983 hat Hilda Püschel sich zum ersten Mal mit dem deutschen orthodoxen Priester aus Stuttgart Vater Johannes Bücheler in Tübingen getroffen. Seine Telefonnummer hatte ihr Metropolit Antonij (Blum) gegeben. In Tübingen gab es bereits einige orthodoxe Gläubige aus Griechenland, die nach Möglichkeiten der priesterlichen Betreuung suchten. Unter den Aktivisten war ein Zahnarzt Dr. Pangidis Chryssantos und Herr Fotius Plakidis. Sie haben die Räumlichkeiten für die Durchführung des orthodoxen Gottesdienstes in der Hl.-Geist-Kirche des katholischen Klinikpfarramtes in der Frondsbergstr. 51 arrangiert.

Metropolit Antonij von Surosh, Effingham, 1984, auf der Diözesankonferenz bei London.
Foto — Vater Johannes Bücheler. Auf dem Gruppenfoto sitzt er in der zweiten Reihe als Fünfter von links.
Vater Johannes war im Juni 1983 zum Priester geweiht geworden und diente in Wetzlar (Hessen) in der Kirche der hll. 318 Väter von Nikäa, die in einem privatem Haus von Georg Baron von Taube eingerichtet war. Nach dem Tod des Ehepaars von Taube wurde die kirchliche Ausstattung der Hauskapelle an die Stiftung „Deutsches Orthodoxes Dreifaltigkeitskloster“ in Buchhagen übergeben. Baron von Taube (1924 -2010), war in Rostock geboren, war orthodoxer Gläubiger und pflegte Beziehungen zu orthodoxen Gläubigen in aller Welt, in Deutschland, England, Frankreich, Griechenland, Italien, Österreich, Polen, Rumänien und den USA. Das bewirkte einen gewissen Einflüß auf den jungen deutschen Priester, der nur wenige Jahre davor zum orthodoxen Glauben konvertiert war. Diese missionarische Offenheit wird auch andere Gemeinden prägen. Seit Ende 1983 hat Vater Johannes angefangen, einmal im Monat die orthodoxe Liturgie auch in Tübingen zu zelebrieren.

Während des Gottesdienstes in Wetzlar, 1982, hinter Bischof Longin (Talypin) steht Vater Johannes Bücheler.

Wetzlar, 1982, Gruppenfoto nach dem Gottesdienst: Vater Johannes Bücheler steht in der Mitte neben Erzbischof Melchisedek von Berlin und Deutschland.
Symbolisch gesehen war die Gründung der orthodoxen Gemeinde in Tübingen ein sehr wichtiger Schritt für diese Universitätstadt. Für den Kenner der evangelischen Theologiegeschichte gab es noch einen interessanten Aspekt. Vor 400 Jahren war es die Tübinger evangelisch-theologische Fakultät, die im Deutschland des 16. Jahrhunderts den Versuch machte, mit der orthodoxen Kirche ins Gespräch zu kommen, und, wenn möglich, eine Einigung herbeizuführen. Die Confessio Augustana wurde zu diesem Zweck ins Griechische übersetzt. Zumal Griechen kamen nach Tübingen zu dem „Vorkämpfer des Philhellenismus in Europa“ (nach Zachariades), der auch den Plan einer Vereinigung der griechischen Kirche mit der evangelischen zu fördern bestrebt war. Zwei bemerkenswerte Professoren — einer Professor der griechischen und lateinischen Sprache Martin Crusius, und ein anderer, Jakob Andreae, der selbst Kanzler der Tübinger Universität, Professor der Theologie, Propst der Stiftskirche und Vater von 20 Kindern war — acht Jahre lang (1573-1581) mühten sich die Tübinger redlich in einem Briefwechsel mit dem Patriarchen Jeremias II von Konstantinopel, „ein Band der Eintracht im Glauben und der Liebe“ zu knüpfen, wofür die lutherische Lehre „Augsburger Bekenntnis“ ins Griechische übersetzt wurde. Dieses Unternehmen — so freundlich und geduldig es auch gepflegt wurde — scheiterte nicht nur an der Unlust der anderen, sondern auch an den unverbindlichen Lehraussagen von evangelischer Seite.
„Es mussten vier Jahrhunderte ins Land gehen, bis im selben Tübingen die hier schon immer vorhandenen ökumenischen Impulse in einen gemeinsamen Gottesdienst mit orthodoxer Liturgie münden konnten“,
meinte Pfarrer i.R. Dankwart-Paul Zeller, der die arbeitsintensive Zusammenkunft für das Feiern des Milleniums der Taufe Russlands, als Tagungsleiter organisiert hatte (so „Stimme der Orthodoxie“, 1989).

Effingham, 1989, Hilda Püschel steht links von der Frau aus Indien.
Der Inhalt
- Intro
- Vorgeschichte
- Geschichte der Gemeinde
- Anfang: Der Segen von Metropolit Antonij (Blum)
- Deutsch-Byzantinischer Chor TABOR als Ursprung und Grundlage der Gemeinde
- Gründung der orthodoxen Gemeinde Hl. Maria von Ägypten in Tübingen
- Gründung der Filialkapelle der Gemeinde in Wernau
- Gottesdienstpläne der ersten Jahre
- Deutsche Kirchen feiern 1000 Jahre Taufe Russlands. Historische Rolle der Tübinger orthodoxen Gemeinde in der Volksversöhnung. 1988
- Rückkehr ins Schlatterhaus. 1995
- Gründung der Gemeinde hll. Märtyrer Valentin und Pasikratus in Ulm
- Registrierung des Vereines der Tübinger orthodoxen Kirchengemeinde. 2007
- Archimandrit Mitrofan Hauser (1960 — 2021) Biographie
- Priester Paul Sohnle (1942-2008)
- Leben der Gemeinde während der „priesterlosen“ Jahre. 2008-2016
- Nach 15-jähriger Pause zelebriert Vater Mitrofan in Tübingen wieder
- Tod des Pfarrers im Jahr 2021