Intro

Wenn in Tübingen schon im Jahre 1985 eine deutsche orthodoxe Gemeinde unter dem Omophorion des Russischen Patriarchen zu finden ist, so hauptsächlich deshalb, weil hier die Gründerin dieser Gemeinde Frau Sigrun Püschel lebte — die gebürtige Deutsche mit evangelischem Hintergrund und Mutter von 6 Kindern. Sie ist seit dem Jahr 1977 eine treue geistliche Tochter von Metropolit Antonij (Blum) gewesen und von ihm persönlich im Jahre 1982 in London in die Orthodoxie aufgenommen worden, mit dem Namen der berühmten englischen Äbtissin vom 7. Jahrhundert Hl. Hilda von Whitby.

Der andere Mitbegründer war auch gebürtiger Deutscher mit evangelischem Hintergrund, der Stuttgarter Wolfgang Bücheler, ein Theologe, der in der Tübinger Universität studierte. Er hat am Ende der 70er Jahre in Rom noch Katholische Theologie studiert, und dort hat er sich im Jahr 1981 der Orthodoxie angeschlossen. Später hat er das Mönchstum und die Priesterschaft in der russischen orthodoxen Kirche Moskauer Patriarchates in Deutschland mit dem Namen Johannes erworben. Sein geistlicher Vater war ein russischer Priester mit Emigrations-Hintergrund, Vater Sergey Polozhensky, Pfarrer der Berliner Kathedrale.

Der dritte Mitbegründer war ebenso ein gebürtiger Deutscher. Er war von Beruf Künstler aus Düsseldorf mit baptistischem Hintergrund, der aber schon im Jahre 1962 orthodox geworden ist. Er ist am Anfang der 80er Jahre in die Nähe von Tübingen umgezogen, um hier eine Kunsttherapeutische Schule zu eröffnen.

Metropolit Anthonij erzählte Hilda, dass in der Nähe von Tübingen ein deutsch-orthodoxer Priester lebte und gab ihr seine Telefonnummer. So lernte sie Vater Johannes und später den Künstler Christophor Pelzer kennen. Diese drei vorzüglichen Menschen hat Gott ausgewählt, um die orthodoxe Gemeinde Hl. Maria von Ägypten in Tübingen zu gründen. In diesen Zeiten der kanonischen Spaltung zwischen „weißer“ Auslandskirche und „roter“ Kirche des Moskauer Patriarchates, auf dem Territorium der Bundesrepublik Deutschland, fiel es diesen drei Christen und deren Nachfolgern gar nicht so leicht, ihr kirchliches Amt auszuüben. Mindestens bis zur Vereinigung von diesen zwei russischen Kirchen, die erst im Jahre 2008 erfolgte, gab es jene oder andere Auseinandersetzungen und Reibungen/Diskrepanzen, unter denen unsere deutschen Kleriker gelitten haben. Dennoch, dank der Gnade Gottes, haben sie die besten christlichen Tugenden, wie Barmherzigkeit, Langmut und Liebe in ihren Seelen gezüchtet. Diese Eigenschaften haben dazu beigetragen, dass in ihren Gemeinden eine seltene familiäre Atmosphäre herrschte und das Leben ihrer Mitglieder vielfaltig vertrauensvoll war, durch den Geist der Liebe zu Gott und zueinander, gemäß der christlichen Lehre.

Es kann daher die Geschichte dieser Gemeinde nicht geschrieben werden, ohne zuvor das Leben und das Wirken dieser drei Menschen hier anzudenken und sie zu würdigen.

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