Archimandrit Mitrofan Hauser (1960 — 2021)

Der Pfarrer der russisch-orthodoxen Gemeinden des Moskauer Patriarchats in Tübingen (Hl. Maria von Ägypten), Stuttgart (Hl. Prophet Elias) und Gründer der Gemeinde in Ulm (Hll. Märtyrer Valentin und Pasikratus), Beichtvater und Dekan für Süddeutschland, wurde am 30. September 1960 in einer evangelischen kinderreichen Familie als Michael Hauser in Stuttgart (Baden-Württemberg, Deutschland) geboren. Sein Vater war Messtechniker, seine Mutter Drogistin, verbrachte jedoch den Großteil ihrer Zeit als Hausfrau mit der Betreuung der vier Kinder.

Seit seiner Kindheit hatte Michael eine besondere Liebe zu Gott. Nach dem Abschluss der mittleren Reife absolvierte er eine Ausbildung zum Krankenpfleger in Schramberg und Rottweil und legte gleichzeitig 1985 das Abitur in Schwenningen ab. Von 1986 bis 1992 studierte er evangelische Theologie an der Universität Tübingen sowie orthodoxe Theologie in Erlangen. Während seines Studiums lernte er die orthodoxe Gemeinde der Hl. Maria von Ägypten kennen und begann dort im großen deutschen byzantinischen Chor zu singen. Im Jahr 1990 durch den Pfarrer der Gemeinde, Abt Johannes Bücheler (1951-1992), in die orthodoxe Kirche aufgenommen und trat der Gemeinde bei. Metropolit Irinej (Zuzemil) von Wien und Österreich (1919-1999), wählte ihn aus, ein Diakon zu werden. Michael folgte dem Vorschlag und wurde am 8.November 1992 in einer kleinen Hauskirche zu Ehren der Verkündigung an die Allheilige Gottesgebärerin, die dem Priester Peter Plank (1951-2009) gehörte, zum Diakon geweiht. Am nächsten Tag erhielt er in der Hl. Nektarius Kirche in Bischofsheim die Priesterweihe. Am 8. November 1993 empfing er seine Mönchsweihe vom Bischof Longin (Talypin) von Klin (1946-2014) in der Kirche zum Schutz der Gottesmutter in Düsseldorf und erhielt den neuen Namen Mitrofan, zu Ehren des berühmten russischen Heiligen Erzbischofs Mitrofan von Woronesch (1623-1703).

Nach dem Tod des Abtes Johannes wurde er als zweiter Priester der jungen Gemeinde zum Hl. Prophet Elias in Stuttgart abgeordnet, um dem neuen Pfarrer Peter Plank zu helfen. Diese Gemeinde befand sich damals in der evangelischen Lukaskirche, war multikulturell geprägt und bestand größtenteils aus deutschen orthodoxen Gläubigen. Im Jahr 1993 ernannte Erzbischof Feofan (Galinskij) von Berlin und Deutschland, der nach der Wiedervereinigung Deutschlands die Verwaltung der neu geschaffenen Diözese übernommen hatte, Priestermönch Mitrofan zum Pfarrer beider Gemeinden in Stuttgart und Tübingen. Dieses Amt bekleidete er bis zu seinem Tod am 30. April 2021.

Er versorgte sich selbst und arbeitete auf Teilzeitbasis im Pflegeberuf, bis er infolge seiner schweren Behinderung auf den Rollstuhl angewiesen war. Aufgrund von Diabetes, Stoffwechselstörungen und Rückenleiden konnte er nicht mehr laufen und litt über zwanzig Jahre lang an infizierten Geschwüren an beiden Füßen. Seine leibliche Schwester nahm ihn in ihr Haus auf und pflegte ihn während all dieser Jahre. Trotz seiner schweren Behinderung blieb er in seinem Amt, nicht nur als Pfarrer, sondern seit 1997 auch als Dekan für Süddeutschland. Mit dem Segen des Erzbischofs Feofan (Galinskij) von Berlin und Deutschland (1954-2017) gründete er im Jahr 1994 eine neue russisch-orthodoxe Gemeinde zu Ehren der Hll. Märtyrer Valentin und Pasikratus in Ulm.

Im Jahr 1998 erhielt Priestermönch Mitrofan den Abts Titel direkt von Seiner Heiligkeit, Patriarch Alexij II. Im Jahr 2003 wurde ihm als Auszeichnung das Recht verliehen, einen Nabedrennik zu tragen. Im Jahr 2010 verlieh ihm Seine Heiligkeit, Patriarch Kyrill, als weitere Auszeichnung ein goldenes Kreuz mit Verzierungen. 2017 ernannte ihn Bischof Tichon von Rusa zum Kleriker-Beichtvater für die gesamte deutsche Diözese und verlieh ihm den Titel eines Archimandriten. 2018 wurde ihm das Recht gewährt, die Mitra mit Edelsteinen zu tragen.

Trotz seiner schweren Behinderung und enormen Leiden strahlte sein Herz unaufhörlich eine tiefe, warme Liebe zu den Mitmenschen und zu Gott aus. Diese Liebe verkündete er nicht nur mit seinen Worten, sondern lebte sie auch durch sein ganzes Sein. In diesem Buch haben die Gemeindemitglieder seine sämtlichen Predigten zusammengestellt. Besonders bemerkenswert ist die Predigt, die er anlässlich einer Trauung in Stuttgart gehalten hat — sie kann wahrhaftig als eine Ode an die Liebe bezeichnet werden.

Die letzten sieben Jahre seines Lebens waren nur dank regelmäßiger Dialysebehandlungen im Krankenhaus in Villingen-Schwenningen möglich. Dort ist unser geliebter Pfarrer schließlich am 30.04.2021, am Tag der Leiden und des Todes unseres Erlösers und Herrn Jesus Christus, an einer Blutvergiftung verstorben. Beerdigt wurde er auf dem Hauptfriedhof in Stuttgart, in der Birkenallee, unweit seines geliebten Gefährten und Mitstreiters im Glauben, Priester Paul Sohnle (1942-2008).

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Materialien zum Leben und Wirken des Archimandriten Mitrofan (Hauser)