Kurzinhaltsangabe der Filmreihe „Zweige. Die Kirche — mein Zuhause“ 40 Jahre: Die Gemeinde spricht.

Leider konnte der Film aufgrund fehlender finanzieller und technischer Mittel nicht übersetzt werden, daher möchten wir für unsere deutschsprachigen Gäste den Inhalt kurz zusammenfassen.

Dem Film liegt das biblische Gleichnis vom kleinen Senfkorn zugrunde, aus dem ein großer Baum wächst (Lk 13,18–19). Mit diesem Gleichnis zieht Jesus eine Parallele zum Himmelreich.
Der erste Teil des Films trägt den Titel „Die Wurzeln“ und widmet sich den Gründern der Gemeinde: Hilda Püschel, Abt Johannes Bücheler und Archimandrit Mitrofan Hauser.

Der zweite Teil des Films heißt „Die Zweige. Die Kirche – mein Zuhause“ und ist dem heutigen Gemeinde-Leben gewidmet. Die wichtigste Eigenschaft der Gemeinde, die von den Gründern geprägt wurde und bis heute erhalten geblieben ist, ist ihre Offenheit, Herzlichkeit, Internationalität und die familiäre Atmosphäre eines liebevollen Zuhauses, der Liebe und der Akzeptanz. Darüber berichten Gemeindemitglieder sowie der heutige Pfarrer Vater Dimitrij, ein Belarusse, der – wie viele andere – als Student der Universität Tübingen zum ersten Mal in die Gemeinde der hl. Maria von Ägypten kam.

Die Gemeinde hatte nie eine eigene Kirche, jahrelang keinen Priester im Dienst und daher keine regelmäßigen Liturgien – und doch hat sie gelebt und sich entfaltet.

„Das Wichtigste an der Gemeinde ist ihr Geist – nicht die Wände“,

sagt der Pfarrer. Dem kann man nur zustimmen.

Vater Alexej Volchkov, Gastpriester aus Sankt Petersburg, Kirchenhistoriker und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Tübingen, sieht in der hl. Maria von Ägypten – der Schutzpatronin unserer Gemeinde, einer Alexandrinerin des 5. Jahrhunderts – eine Inspirationsquelle für Frauen. Inmitten einer persönlichen Lebenskrise zog sie sich für 47 Jahre in die Wüste jenseits des Jordans zurück und lebte in völliger Abgeschiedenheit. Vater Alexej sagt dazu:

„Sie ist ein Beispiel für persönliche Verantwortung und eine ganz individuelle Beziehung zu Gott, die über konventionelles Christentum hinausgeht: Sie besuchte die Kirche nicht, ging nicht regelmäßig zur Kommunion, wie es üblich ist, aber die Frucht ihrer Suche war enorm: Sie erfasste alles selbständig – und wurde zur Lehrmeisterin eines Mönchs, eines Mannes. Ein solches Beispiel ermutigt Frauen zum kirchlichen Dienst, was in unserer Zeit besonders aktuell ist“.

Es ist daher kein Zufall, dass diese Gemeinde im Jahr 1985 auf Initiative einer Frau entstand – Hilda Püschel aus Tübingen. Damals war es ein kleines Samenkorn, gepflanzt im Alltag des Lebens einer studentischen Stadt, und heute – 40 Jahre später – ist daraus ein großer Baum gewachsen mit starken Wurzeln, weit ausladenden Zweigen und guten Früchten des Heiligen Geistes: Liebe, Friede, Freude, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Glaube, Barmherzigkeit und Frömmigkeit (Gal 5,22).

Vater Alexej sagt außerdem:

„Die Gemeinde ist ein Ort, an dem völlig unterschiedliche Menschen freiwillig zusammenkommen, die im normalen Leben nichts gemeinsam haben oder sogar Feinde sein könnten. Hier werden Sie Brüder und Schwestern in Christus, finden Frieden und seelische Wärme. Das zeigt, dass das Christentum auch in unserer postmodernen Gesellschaft eine lebendige Kraft und Mission ist“, so Vater Alexej.

Die Menschen singen gemeinsam, beten zu Gott, feiern christliche und auch persönliche Feste, studieren die Bibel und finden Heilung für ihre Seelen in den Sakramenten der orthodoxen Kirche. Die Gemeinde engagiert sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe und unterstützt Neuankömmlinge bei der Integration in die deutsche Gesellschaft – gleichzeitig kümmert sie sich auch um die Bewahrung ihrer kulturellen Identität. Kein Wunder also, dass die hier geborenen und aufgewachsenen Kinder ihre Interviews für diesen Film auf Russisch geben wollten. Großen Wert legt die Gemeinde auch auf die Bildung von Kindern und Jugendlichen: wöchentlicher Bibelunterricht in der Sonntagsschule und die Einbindung junger Menschen in gemeindliche und soziale Dienste.

Nach jeder Liturgie haben die Gemeindemitglieder die Möglichkeit, sich bei der Agape – dem gemeinsame Teerunde und Mittagessen – miteinander und mit den Priestern auszutauschen.
Die Gemeinde bewahrt den Geist, den ihr die Gründer – orthodoxe Deutsche – mitgegeben haben, und betet für sie.