V. Johannes zelebriert die Göttliche Liturgie in der Hl.-Elias-Kapelle, Wernau 1986

Abt Johannes Bücheler (1951-1992)

Der Gründer und erste Pfarrer der Gemeinde wurde am 17.02.1951 in Stuttgart in einer evangelischen Familie von Edelgard und Gerhard Bücheler als Wolfgang geboren. Ihr zweistöckiges Familienhaus befand sich in Heslach am Böhmisreuteweg 25. Nach der Schule nahm er das Studium der Theologie an der evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Tübingen auf, trat vor dessen Beendigung zur Römisch-Katholischen Kirche über und beendete seine Studien 1980 in Rom. 1981 schloß er sich der Russischen Orthodoxen Kirche an. Bischof Longin von Düsseldorf weihte ihn am 1. Mai 1983 zum Diakon und am 19. Juni desselben Jahres zum Priester. Als solcher wirkte er an der Kirche der hll. 318. Väter von Nikäa zu Wetzlar.

1985 trat er in den Dienst der süddeutschen Diözese, wo er sich aktiv am geistlichen Leben der Region beteiligen sollte. Erzbischof Irinej von Wien und Österreich, damals auch zeitweiliger Verwalter dieser Diözese, setzte ihn zunächst als zweiten Priester der Christi-Verklärungs-Gemeinde in Baden-Baden ein. Es gelang Vater Johannes aber noch im gleichen Jahr, in Tübingen eine Gemeinde unter dem Patronat der Hl. Maria von Ägypten zu sammeln, deren Vorsteher er alsbald wurde.

Auf seinen Wunsch hin wurde er am 15. März 1987 mit dem Segen von Metropolit Irinej in Baden-Baden durch Archimandrit Avenir (Arnaudov) zum Mönch mit dem Namen Johannes geschoren.

1988 gründete Priestermönch Johannes eine weitere Gemeinde in seiner Heimatstadt Stuttgart zu Ehren des Hl. Propheten Elias. Vater Johannes wohnte in Stuttgart und arbeitete als Pfleger in einer Senioreneinrichtung. Obwohl er gezwungen war, seinen Lebensunterchalt mit beruflichen Tätigkeiten außerhalb des kirchlichen Bereichs zu verdienen, betreute er beide Gemeinden und vertrat die Russische Orthodoxe Kirche auf zahlreichen Veranstaltungen in der Öffentlichkeit, wie zum Beispiel in den Arbeitsgemeinschaften Offene Kirche. Oft hat er seine Vorlesungen und Vorträge durch eine orthodoxe Andacht mit mitgebrachten Ikonen und mit wunderschönen byzantinischen Gesängen geschlossen. Zum Osterfest 1990 würdigte Patriarch Pimen den Eifer im kirchlichen Dienst mit seiner Ernennung zum Abt.

Er hat die Geschichte der russischen Kirche in Deutschland erforscht. Dieses Thema war im Lauf der letzten zehn Jahre seines Lebens der Leitfaden seiner unzähligen öffentlichen Vorlesungen und Konferenzen in verschiedenen deutschen christlichen Gemeinschaften und Stiftungen geworden. Sein Werk „Die Geschichte der russischen orthodoxen Gemeinden in Deutschland“ wurde im Jahr 1989 im Tübinger Universitätsverlag „Attempto“ samt der Werke von solchen bekannten Wissenschaftlern wie Professor der slavischen Fakultät Ludolf Müller, und dem Gründer des deutschen Chors TABOR-Tonarchiv (ostkirchliche Gesangtradition), Eberhard Zumbroich veröffentlicht. Dieser Band wurde eine spezielle Ausgabe, dem 1000-jährigen Jubiläum der Taufe Russlands gewidmet.

Vater Johannes hat eine große Bibliothek der orthodoxen Bücher in deutscher Sprache gesammelt: Alle Altkirchenväter, wie Hl. Johannes Chrisostomus und Hl. Basilios der Große und viele andere, an 60 Bände, die seit den 19. Jahrhundert im Münchener Verlag „Josef Kösel und Fridrich Pustet“ veröffentlicht wurden. Er besaß die zahlreichen orthodoxen Gottesdienstbücher, die je in Deutschland übersetzt und veröffentlicht worden waren.

Er gründete und leitete zwei orthodoxe Gemeinden, die einen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung der Orthodoxie unter der einheimischen deutschen Bevölkerung hatten. In seinen Kirchengemeinden hat er Deutsch als Gottesdienstsprache eingeführt. Der Grund dafür war, dass es die einzige Sprache hierzulande war, die für alle Gemeindemitglieder verstehbar war, da einige von ihnen aus verschiedenen Ländern kamen, etwa aus Griechenland, Rumänien, Jugoslawien und der UdSSR. Und so war für Vater Johannes die deutsche Sprache das verbindende Element für die orthodoxen Christen verschiedener Nationalitäten.

     

In den Jahren 1988 und 1989 organisierte er historische orthodoxe Gottesdienste unter Beteiligung aller deutschen Kirchen Baden-Württembergs in den Stiftskirchen von Stuttgart und Tübingen, an denen mehr als 1000 deutsche Gäste und ein großer deutscher byzantinischer Chor teilnahmen, um das tausendjährige Jubiläum der Taufe Russlands zu feiern, der für die gesamte westliche Christenheit von großer Bedeutung war. Mit diesem Akt wollten die deutschen Christen eine Botschaft an die verfolgten Christen der UdSSR und an das russische Volk senden:

«Wir sind mit euch, wir sind alle eins in Christus, wir bitten um Vergebung für all das Böse, das unsere Väter euch angetan haben“.

   

Während des Jahres 1992 kämpfte Abt Johannes schwer mit einer heimtückischen Krankheit (inoperabeler Hirntumor), der er am 9. Dezember 1992 im Alter von nur 41 Jahren erlag. Zuvor hatte ihn Metropolit Irinej durch seinen Zuspruch und die Heiligen Sakramente gestärkt.

Der Metropolit nahm am 14. Dezember auch die Bestattung auf dem Friedhof in Stuttgart-Heslach vor. Beerdigt ist er unter seinem weltlichen Namen Wolfgang Bücheler.

So findet man Grab von Abt Johannes in Stuttgart:

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