Скончалась основательница нашего прихода Хильда Пюшель

Hilda Sigrun Püschel (1930-2023)

Die Gründerin der in der BRD größten christlichen deutsch — orthodoxen Gemeinde zu Ehren der Hl. Maria von Ägypten in Tübingen wurde in einer evangelischen Familie am 11. 05. 1930 in Berlin als Sigrun geboren. Ihr Vater Oswald Meyer — Housselle war Kinderarzt, ihre Mutter Ernestine, geborene Zitzewitz, war Krankenschwester von Beruf. In den Kriegszeiten war die Berliner Schule, wo Sigrun lernte, nach der Besetzung Polens vom Hitler-Regime disloziert in ein Gebäude von vertriebenen Einheimischen. Als Kind hat sie im Jahr 1940 die Luftangriffe der Engländer erlebt. Nach dem Krieg ist sie zurück nach Berlin gekehrt und hat im Ina-Seidel-Lyceum in Spandau im Jahr 1948 Abitur gemacht. Nach der Schule hat sie ein Praktikum in Kinderberatung und ein Psychologiestudium an der Freien Universität in Berlin absolviert.

Von 1950 und bis 1955 hat sie in der Tropenklinik Paul-Lechler-Krankenhaus Schwerkranke und Sterbende betreut und von 1955 bis 1957 hat sie als Psychologin in einem Heim für schwererziehbare Kinder gearbeitet. Am 9. 9. 1955 hat sie einen Arzt geheiratet und in dieser Ehe 6 Kinder bekommen.

Von 1960 bis 1972 ist die ganze Familie nach Indien ausgewandert in eine kleine Stadt westlich von Madras, heute Chennai. Ihr Mann hat als Arzt gearbeitet und sie als Krankenschwester. Nach der Rückkehr nach Deutschland wurde er im Deutschen Institut für Ärztliche Mission in Tübingen angestellt.

An Weihnachten 1977 hat ihr Mann die Familie verlassen. Sie ist allein mit 6 Kindern geblieben, ihre jüngste Tochter war 12 Jahre alt. In dieser Lebenskrise hat sie Metropolit Antonij von Sourozh (Blum) kennengelernt. Das ist bei einer Konferenz beim Ökumenischen Rat der Kirchen im August 1977 geschehen. Er hat dort Morgenandachten gehalten. Sie war erstaunt, wie er trotz der großen Beschäftigung ihr mehrere Stunden Gespräch schenkte. Seitdem hat sie das Glück gehabt, mehrmals im Jahr mit ihm zusammenzutreffen, was endlich dazu führte, die orthodoxe Taufe in der Kathedrale der Entschlafung der Gottesmutter in London zu erleben. Es geschah am 10. Mai 1982. Er hat sie persönlich getauft und ihr den Namen Hilda gegeben zu Ehren der Hl. Äbtissin von Whitby, deren Gedenktag am 17. (30.) November in der orthodoxen Kirche gefeiert wird.

Dieser Name bedeutet Kämpferin. Interessant ist, dass die Hl. Hilda in ihren Zeiten im Jahr 657 ein Doppelkloster gründete — das heutige Whitby — und es leitete. In diesem Kloster lebten sowohl Männer als auch Frauen, wobei die Quartiere aneinandergrenzten. Es wurde zu einem der bedeutendsten religiösen Zentren Englands. Die Hl. Hilda legte Wert darauf, dass Nonnen und Mönche sich auch in den Wissenschaften kundig machten. Mindestens fünf Bischöfe wurden hier ausgebildet. Eine Legende erklärt, warum man heute in Whitby viele Fossilien findet: zu Hildas Zeit sei die Gegend von Schlangen übersät gewesen, die Hl. Hilda habe ihnen die Köpfe abgeschnitten und sie über die Klippen geworfen, wo man sie heute versteinert findet.

Hilda Püschel strebte immer nach frommem Leben. Sie hatte das Glück, 7-mal zum Hl. Katharinen-Kloster am Berg Sinai in Ägypten zu pilgern und den dortigen Abt Erzbischof Damian kennenzulernen. Er hat ihr seine Gebetskette geschenkt und sie geistlich und durch Gebete unterstützt. Der Sinai hat sie sehr fasziniert und ihr ganzes Leben orthodox geprägt. Von dort hat sie mehrere Kopien der damals noch wenig bekannten Ikone des 6. Jahrhunderts „Erretter aus Sinai“ und der Sinai-Gottesmutter vom 12. Jahrhundert mitgebracht. Aus diesen Postern wurden im Jahr 1995 die Ikonen für die Ikonostase in der Tübinger orthodoxen Kirche im Andachtsraum des Schlatter-Hauses gefertigt.

Zum ersten Mal hat sie ihre Freundin aus Tübingen eingeladen, zum Sinai mitzufahren. Sie waren dort unterwegs mit einem kleinen Bus inmitten einer Touristengruppe und gingen zum Sonnenaufgang auf den Moses-Berg. Als die Gruppe frühstückte, ging Hilda um die legendäre uralte Klosterburg herum. Später, als ihre Tochter im Symphonieorchester in Kairo spielte, besuchte Hilda sie jedes Jahr dort und zugleich das Kloster. Mit einer schriftlichen Empfehlung in griechischer Sprache von Archimandrit Sophronij (Sacharow) — der Abt des orthodoxen Klosters des Hl. Johannes des Täufers in England (in Essex), das sie gerne besuchte — konnte Hilda den Abt des Sinai-Klosters persönlich kennenlernen. Seitdem wurde sie als Gast des Klosters empfangen, bekam freien Zugang zum Kloster und durfte im Gästehaus wohnen.  Einmal hat sie dort Ostern erlebt. Zusammen mit einer griechischen Nonne namens Arsenia, die alle schriftlichen Arbeiten für den Erzbischof Damian damals erledigte, wünschte sie, ein kleines Metochion des Klosters am Meer zu gründen. Sie hatten schon ein dafür passendes Haus gefunden, aber die ägyptische Regierung erlaubte nicht, dass zwei Frauen allein in einer einsamen Gegend leben.

Hilda wollte unbedingt Nonne werden und fuhr mehrmals im Jahr nach England, nicht nur zum Metropoliten Antonij, ihrem geistlichen Vater, der dafür ihr immer Termine gegeben hat, sondern auch zum Kloster Hl. Johannes des Täufers in Essex, in England. Dieses war im Jahre 1958 von Archimandrit Sophronij Sacharow gegründet worden. Er war der Nachfolger und Schüler des Hl. Siluan vom Athos, der von der Liebe Gottes predigte, und selbst ließ er sich gänzlich durch den Heiligen Geist prägen. Zu ihm gehört der für die Asketen wichtige Spruch: „Lass deinen Verstand in der Hölle und verzweifle nicht“. Die Besonderheit dieses Klosters war eine essentielle Regel — vier Stunden am Tag dem Herzensgebet in voller Stille zu widmen. Diese Regel hat sofort einen Platz im Herzen der Hilda gefunden. Sie war dort mit zwei deutschen Nonnen befreundet — Schwester Johanna und Schwester Elisabeth. Der Abt des Klosters Archimandrit Sophronij Sacharow hat großen Wert auf die Bildung von seinen Mönchen und Nonnen gelegt. Ein Novize des Klosters, ein junger Doktorand namens Melchisedek, wurde von ihm für 6 Wochen nach Tübingen geschickt, um an Deutschkursen für seine Doktorarbeit teilzunehmen. Er hat bei Hilda gewohnt und immer die Gottesdienste im Schlatterhaus mit ihr besucht.

Hilda Püschel und Metropolit Antonij von Sourozh, 1987
Hilda Püschel und Metropolit Antonij von Sourozh, 1987

Auf ihren Wunsch, Nonne zu werden, hat Metropolit Antonij gesagt, dass sie ein innerliches monastisches Leben führen könne, ohne die Notwendigkeit, die monastische Kleidung zu tragen. Sie solle lieber bei der Erziehung ihrer Enkelkinder helfen, als eine Nonne ohne Kloster zu sein. So hat sie es auch gemacht. Im Jahr 1985 wurden die ersten Enkel in Berlin geboren, um die sie sich sehr kümmerte. Ab 1995 kamen weitere Enkel, bei denen auch viel Hilfe benötigt wurde.

Von 1979 und bis zur Rente im Jahr 1984 hat Hilda in der Tropenklinik Tübingen gearbeitet. Dann ab der Rente konnte sie sich als Kirchenälteste gänzlich ihrer neuen Gemeinde widmen. Sie hat eine Wohnung bei der russischen Klavierlehrerin Tamara Nikolajevna Elzberg gemietet und sie in die Gemeinde gebracht. Sie haben sich gut miteinander verstanden, und Tamara Nikolajevna hat Hilda ihr ganzes Haus in Tübingen in der Wolfgangstockstr. 2 vererbt. Seit 1995 war Hilda meistens verreist, sich um ihre Enkelkinder kümmernd. Sie konnte nicht mehr so viel wie früher für die Gemeinde sorgen, ihr Gehör und ihre Stimme liessen so nach, dass sie nicht mehr im Chor singen konnte. Wenn möglich besuchte sie die Gottesdienste, die mittlerweile mehr auf Kirchenslawisch gefeiert wurden. So brachte sie immer ein deutsches Gebetbuch mit, um den Gebeten folgen zu können. Hypodiakon Dimitrij hat für sie alle Predigten aus dem Russischen ins Deutsche übersetzt. Hilda war Patentante von drei Kindern in der Gemeinde und kümmerte sich um sie mit großer Verantwortung.

Als Hypodiakon Dimitrij aus Tübingen weggezogen und die russische Sprache die überwiegende in der Gemeinde geworden war, fühlte sich Hilda entfremdet. Leider konnte sie nicht mehr verstehen, um was es in der Gemeinde ging, und vermisste die deutsche Sprache bei den Gottesdiensten. Sie konnte weder Russisch noch Kirchenslawisch sprechen. Da half ihr Erzpriester Michail Fortunatov aus der Londoner Kathedrale, zu einer deutschsprachigen orthodoxen Gemeinde in Albstadt zu kommen, die von Erzpriester Michael Buk Mitte 2000 gegründet wurde. Diese Kirche namens Hl. Sergius von Radonesch und später ihre Tochtergemeinde Hl. Martin von Tours in Balingen besuchte sie regelmäßig von 2006 bis 2018, bis sie ihr Haus in Tübingen verkauft hat, um ins Altersheim ziehen zu können — zuerst in der Nähe von Tübingen, und danach in eine betreute Wohnung in Bergisch Gladbach in der Nähe von ihrer jüngsten Tochter mit Enkelkindern. Vater Michael besuchte sie ab und zu mal dort und erteilte ihr die heilige Kommunion. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie durfte kein Priester mehr dorthin kommen. Drei Jahre lang lebte Hilda ohne Kommunion. Sie sagte dann, sie fühle sich ganz glücklich und besinnlich, in voller Stille jetzt nur mit Gott Kontakt zu haben. Und als Tröstung hat sie immer ihre geliebte Heilige mit den folgenden Worten erwähnt: „Die Hl. Maria von Ägypten hat nur ein Mal in ihrem Leben die heilige Kommunion empfangen!“

Die Tübinger Gemeinde hat immer Kontakt mit ihrer Gründerin gepflegt. Einmal hat Vater Dimitrij, der jetzige Pfarrer, die Kommunion für sie ins Krankenhaus gebracht. Die Gemeindeglieder haben sie zu Hause in Tübingen besucht, danach im Pflegeheim. In Bergisch Gladbach war es nur telefonisch möglich. Zu den Geburtstagen haben die Gemeindemitglieder ihr Grußkarten und Blumensträuße geschickt. Und im Januar 2023 wurde für sie die heilige Kommunion durch den Priester Viktor aus der Hl.-Konstantin-und-Helene-Kirche in Köln organisiert auf Bitte der Kirchenältesten Nadja Fischer. Während den telefonischen Gesprächen mit Tatiana Volohonsky hörte Hilda immer gern, dass die Gemeinde wächst und dass die Gottesdienste dort regelmäßig zelebriert werden. Sie betete ständig für die Gemeinde und war sehr dankbar, dass die Gemeinde für sie betete.

„Es ist sehr erfreulich zu hören, dass aus dem kleinen Körnchen, das wir damals gesät haben, ein großer Baum gewachsen ist“ —

sagte sie begeistert, Gott und der Hl. Maria von Ägypten dankend.

Hilda ist am 2. Juni 2023 im Alter von 93 Jahren zu Hause im Kreis ihrer Kinder friedlich verstorben. In dieser Zeit empfing sie die Sakramente der Kommunion und die Krankensalbung. Beerdigt ist sie auf dem Kölner Ostfriedhof.

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